Bei der Kardinalität hat man Elemente abgezählt. Dieses Abzählen geschieht über die natürlichen Zahlen, denn es macht wenig Sinn, dass ein Element als das 1,34343235-te anzusehen, sondern eben als das zum Beispiel zweite. Der Begriff der Abzählbarkeit geht nun noch einen Schritt weiter und ist wie folgt definiert:
Eine Menge M heißt abzählbar, wenn es eine Injektion
gibt. Also nicht mehr, wie bei der Endlichkeit nach {1, … , n} sondern in die gesamten (unendlichen) natürlichen Zahlen. Gibt es keine solche Injektion, dann wird die Menge M überabzählbar genannt.
Es existiert, wie in den Eigenschaften von Funktionen nachgelesen werden kann, eine injektive Abbildung genau dann, wenn es eine surjektive Abbildung von dem Ziel in die Quelle gibt, also in diesem Fall von N nach M.
Da Kompositionen injektiver bzw. surjektiver Abbildung wiederum injektiv bzw. surjektiv sind, ergeben sich folgende sogenannte Stabilitätseigenschaften:
1. Ist M eine abzählbare Menge, die Funktion
injektiv und
surjektiv, dann sind N und K offensichtlich auch abzählbar.
2.
ist abzählbar
3. Abzählbare Vereinigungen abzählbarer Mengen sind abzählbar
4. Produkte (
) abzählbarer Mengen sind abzählbar
5.
sind abzählbar
6.
sind überabzählbar
7. Es gibt eine Bijektion zwischen
(Die reellen Zahlen sind also auch überabzählbar)
Beweise:
1. Es gibt, da M abzählbar ist, eine injektive Funktion
. Dadurch ist die Komposition
eine injektive Abbildung. Da es eine injektive Abbildung
gibt, weil eine surjektive von M nach K existiert, ist die Komposition
eine injektive Abbildung.
2.
kann man sich als Matrix mit unendlich langen Zeilen und Spalten vorstellen. Die Diagonalen
können abgezählt werden. Die Kardinalität, also die Anzahl an Elementen einer Diagonalen entspricht
und alle Diagonalen sind disjunkt zueinander, enthalten also keine gemeinsamen Elemente. Die Vereinigung aller Diagonalen (im unendlichen) ist gleich dem kartesischen Produkt. Die ersten n Mengen
bis
haben zusammen
Elemente (siehe Thema Induktion). Für die Diagonale
werden dann logischerweise die Zahlen N(n)+1 bis N(n)+n+1 zur Nummerierung benötigt. Schreibt man
dann ist die Funktion:
eine surjektive Abbildung von
. Damit existiert umgedreht eine injektive und somit ist
abzählbar.
3. Genauer heißt die Aussage, wenn MS ein abzählbares Mengensystem ist, ist auch
abzählbar.
Es kann angenommen werden, dass
. Da MS abzählbar ist, gibt es eine injektive Abbildung von MS in die natürlichen Zahlen. Daher gibt es auch eine surjektive Abbildung
. Jede Teilmenge F(n) von MS ist abzählbar. Daher gibt es eine injektive Funktion von F(n) in die natürlichen Zahlen und damit auch eine surjektive Abbildung:
. Die Funktion
ist surjektiv. Daher gibt es eine Injektion in die andere Richtung. Da
abzählbar ist, gibt es eine injektive Komposition in die natürlichen Zahlen.
4. Für Surjektionen
ist
surjektiv. Dann gilt das selbe Argument wie am Ende von 3.
6.
ist nicht surjektiv. Andernfalls wäre die Menge
(mit Auswahlaxiom). Für dieses y wäre dann, wegen
– Widerspruch.
Die zweite Aussage folgt aus der ersten, da
eine Bijektion ist:
Sei N eine Menge, dann definiert man für
:

Für
gilt:
a) Χ ist injektiv: Seien
(was quasi zwei Funktionen entspricht), dann gilt:

b) X ist surjektiv: Sei
, dann definiert man
. Dies entspricht dem Input A der Funktion f, weil
und erhält mit X(F),
.
b1)
, daraus folgt 
b2)
, daraus folgt
. Also gilt f = X(F).