Archive for ‘Linear Algebra’

Definition der reellen Zahlen

Thursday, April 22nd, 2010

Eine geordnete Menge (X, \leq) ohne kleinstes Element, also nicht nach unten beschränkt, mit der Eigenschaft, dass \forall x<z \ \exists \ y \in X : x < y < z mit x, z \in X, dann kann diese geordnete Menge vervollständigt werden.
Dazu werden sogenannte Dedekindsche Schnitte verwendet:
Eine Menge \alpha \subseteq X heißt Dedekindscher Schnitt in einer geordneten Menge (X, \leq), falls folgende drei Bedingungen erfüllt sind:
1. \alpha \not= \emptyset und \alpha \not= X
2. \forall a \in \alpha, b \in X : b \leq a \Rightarrow b \in \alpha
2. \alpha besitzt kein Maximum
Zu der geordneten Menge oben ist die ebenfalls geordnete Menge \chi = \{ \alpha \leq X : \alpha \ Dedekindscher \ Schnitt \} mit der Relation \alpha \subseteq \beta eine Ordnungsvervollständigung. Dabei besitzt jede nach oben (unten) beschränkte A \not= \emptyset ein Supremum (Infimum).
Die Funktion \phi : X \rightarrow \chi, x \mapsto \{ a \in X : a < x \} ist eine injektive Abbildung mit den Eigenschaften:
1. \forall x, y \in X : x \leq y \Leftrightarrow \phi(x) \subseteq \phi(y)
2. \forall \alpha, \beta \in \chi : \alpha \subseteq \beta \ \exists \ x \in X : \alpha \subseteq \phi(x) \subseteq \beta

Da die Menge A = \{ a \in \mathbb{Q} : a^2 \subseteq 2 \} in \mathbb{Q} kein Supremum besitzt, werden die reellen Zahlen als Ordnungsvervollständigung von den rationalen definiert. Somit ist (\mathbb{R}, \subseteq) eine vollständig geordnete Menge, bei der jede nicht leere Menge, die nach oben oder unten beschränkt ist, ein Supremum bzw. Infimum besitzt.

Ordnung, Monotonie & Intervalle

Saturday, February 13th, 2010

Eine Relation R in der Menge X heißt Halbordnung, wenn für x, y, z folgende Bedingungen erfüllt sind:
1. Transitivität: (x, y) \in R, (y, z) \in R \Rightarrow (x, z) \in R
2. Antisymmetrie: (x, y) \in R, (y, x) \in R \Rightarrow x = y
Gilt zusätzlich noch:
3. Vergleichbarkeit: (x, y) \in R \vee (y, x) \in R
dann spricht man von einer Totalordnung.

Typischerweise werden für Ordnungen die Symbole ≤ und ≥ verwendet, so dass sich für die Regeln am Beispiel ≤ Folgendes ergibt:
1. x \leq y, y \leq z \Rightarrow x \leq z
2. x \leq y, y \leq x \Rightarrow x = y
3. x \leq y \vee y \leq x

In \mathbb{Z} gilt diese Totalordnung n ≤ m, falls \exists k \in \mathbb{N}_0 : m = n + k. Ein Beispiel für eine Halbordnung ist die Relation A \subseteq B \ in \ \mathbb{P}(M).

In geordneten Mengen gibt es den Begriff der Monotonie. Seien dazu (X, \leq), (Y, \unlhd) zwei geordnete Mengen und f : X \rightarrow Y eine Abbildung, dann gilt für f:
1. f ist monoton wachsend, wenn gilt: x < y \Rightarrow f(x) \unlhd f(y)
2. f ist streng monoton wachsend, wenn gilt: x < y \Rightarrow f(x) \lhd f(y)
3. f ist monoton fallend, wenn gilt: y < x \Rightarrow f(x) \unlhd f(y)[/latex]
4. f ist streng monoton fallend, wenn gilt: y < x \Rightarrow f(x) \lhd f(y)

In geordneten Mengen lässt sich der Begriff der Intervalle definieren. Für eine Menge X und a, b \in X gilt:
1. Offenes Interval: ]a, b[ = \{ x \in X : a < x < b \}
2. Rechts offenes Interval: [a, b[ = \{ x \in X : a \leq x < b \}
3. Links offenes Interval: ]a, b] = \{ x \in X : a < x \leq b \}
4. Geschlossenes Interval: [a, b] = \{ x \in X : a \leq x \leq b \}
Manchmal werden solche Intervalle auch mit runden Klammern geschrieben, also z.B. (a, b) = [a, b].

Endliche Summen und Produkte

Saturday, February 13th, 2010

Für abelsche Gruppen (K, +) spielt die Summationsreihenfolge bei der Summation endlich vieler Elemente x_k keine Rolle. Sei M also eine endlich Menge mit |M| = m, dann gibt es eine Bijektion:
\varphi : \{ 1, \dots , m \} \rightarrow M
Für k \in M gilt dann:
\sum_{k \in M}{x_k} = x_{\varphi(1)} + \dots + x_{\varphi(m)}
Oftmals sind die Elemente aus M eine Spanne von Zahlen a bis b mit a, b \in \mathbb{N}_0. Dann gilt:
\sum_{k \in M}{x_k} = \sum_{n=a}^b{x_n}
Für M = \emptyset gilt \sum_{x \in \emptyset}{x} = 0.

Für abelsche Gruppen (K, ∙) spielt die Produktreihenfolge beim Produkt endlich vieler Elemente x_k keine Rolle. Sei M also eine endlich Menge mit |M| = m, dann gibt es eine Bijektion:
\varphi : \{ 1, \dots , m \} \rightarrow M
Für k \in M gilt dann:
\prod_{k \in M}{x_k} = x_{\varphi(1)} \cdot \dots \cdot x_{\varphi(m)}
Oftmals sind die Elemente aus M eine Spanne von Zahlen a bis b mit a, b \in \mathbb{N}_0. Dann gilt:
\prod_{k \in M}{x_k} = \prod_{n=a}^b{x_n}
Für M = \emptyset gilt \prod_{x \in \emptyset}{x} = 1.

Für Summen und Produkte gilt wegen den Assoziativ- und Kommutativgesetzen:
\sum_{k \in M}{x_k + y_k} = (\sum_{k \in M}{x_k}) + (\sum_{k \in M}{y_k})
\prod_{k \in M}{x_k + y_k} = (\prod_{k \in M}{x_k}) \cdot (\prod_{k \in M}{y_k})
Für einen Körper K und a \in K ergeben sich darüber hinaus:
\sum_{k \in M}{ax_k} = a \sum_{k \in M}{x_k}
\prod_{k \in M}{ax_k} = a \prod_{k \in M}{x_k}

Für Summen gibt es zwei Tricks, die zur einfacheren Berechnung beitragen können:
1. Summationsreihenfolge ändern
2. Teleskopsumme bilden

1. \sum_{n=1}^m{n} = 1 + 2 + 3 + \dots + n = m + (m - 1) + (m - 2) + \dots + 1 = \sum_{n=1}^m{m - (n + 1)}
\Rightarrow 2\sum_{n=1}^m{n} = \sum_{n=1}^m{n} + \sum_{n=1}^m{m - (n + 1)} = \sum_{n=1}^m{m + 1} = m(m + 1)
\Rightarrow \sum_{n=1}^m{n} = \frac{m(m + 1)}{2}

2. Kann man \sum_{n=1}^m{x_n} als \sum_{n=1}^m{(y_n - y_{n+1})} schreiben, nennt man die zweite Summe Teleskopsumme:
\sum_{n=1}^m{x_n} = \sum_{n=1}^m{(y_n - y_{n+1})} = y_1 - y_2 + y_2 - y_3 + \dots + y_n - y_{n+1} = y_1 - y_{n+1}
Zum Beispiel gilt:
\sum_{n=1}^m{\frac{1}{n(n + 1)}} = \sum_{n=1}^m{\frac{1}{n} - \frac{1}{n + 1}} = 1 - \frac{1}{m + 1} = \frac{m}{m + 1}

Eine weitere sehr wichtige Summe ist die geometrische Summe. In einem Körper K mit q \in K, n \in \mathbb{N}_0 gilt:
(1 - q) \sum_{k=0}^n{q^k} = (\sum_{k=0}^n{q^k}) - q^k + 1 = 1 - q^{n + 1}
Für q ≠ 1 folgt daraus:
\sum_{k=0}^n{q^k} = \frac{1 - q^{n+1}}{1 - q}
Für q = 1 gilt offensichtlich: \sum_{k=0}^n{q^k} = n + 1 (da die Summe n+1-Summanden umfasst und jedes q^k = 1 ist)